MUSIC NEWS · FAZEmag · 28. Okt 2026

Clubsterben in Kassel: Junge Leute feiern lieber privat statt in Clubs – das sind die Gründe

Symbolbild

Viele junge Menschen in Kassel gehen seltener in Clubs und Bars. Das beobachtet die HNA bei einem Rundgang über die Friedrich-Ebert-Straße. In der Reportage kommen u. a. eine 19-Jährige und ihr 18-jähriger Freund zu Wort. Beide betonen, dass sie lieber zu privaten Feiern gehen. Nach der Pandemie sei Feiern „ausgestorben“ und nicht mehr „in“.

Für Partys in den eigenen vier Wänden nutzen die beiden den Begriff „Hausis“. Sie waren nach eigener Aussage seit Monaten nicht mehr auf Kassels Feiermeile unterwegs. An diesem Samstagabend ziehen sie von Späti zu Späti und überlegen, ob sie später noch in einen Club gehen. Dort erwarten sie vor allem ein älteres Publikum.

Betreiber spüren den Rückgang

Sascha Lenz vom Hot Legs hat mit einem Video in den Sozialen Netzwerken auf die leeren Räume seiner Bar aufmerksam gemacht, es sei „fünf vor zwölf.“ Auch Max Duscheleit, Betreiber der Start-up-Bar und der Kater-Bar, berichtet von weniger jungen Gästen. Besonders unter der Woche sei es ruhiger geworden.

DJ Marco S führt die Zurückhaltung auch auf höhere Preise zurück. Viele junge Leute würden lieber für das Sola-Festival sparen und nur einmal im Jahr ausgehen. Duscheleit hört zudem von Gästen, die sich auf dem Heimweg unsicher fühlen. Er sagt, die Aggressivität nehme vor allem ab zwei Uhr nachts zu; Lenz und Joe’s-Garage-Chef Sladjan Tutnjevic beschreiben die Lage hingegen als überwiegend friedlich.

Kritik an Konzept, Kosten und Sicherheit

Auch in den Instagram-Kommentaren werden verschiedene Gründe für die leeren Clubs diskutiert. Einige Nutzer verweisen auf gestiegene Ausgehkosten und Sicherheitsbedenken. Andere finden, die Bars müssten ihr Konzept anpassen. Ein Kommentator kritisiert etwa den Namen „Hot Legs“ als sexistisch.

Neben der Kritik gibt es aber auch positive Rückmeldungen. Eine 70-jährige Besucherin schreibt, sie wolle wegen der offenen Bühne wieder mittwochs vorbeischauen. Ein anderer Gast lobt die Live-Musik, die Preise und das gemischte Publikum. Die Kommentare zeigen, dass die Wahrnehmung der Friedrich-Ebert-Straße nicht einheitlich ist. Was wiederum das Dilemma „Clubsterben“ gut abbildet.

Lenz will einige der Vorschläge aus den Rückmeldungen für neue Veranstaltungen aufgreifen. Duscheleit hofft auf zusätzliche Besucher durch die documenta im kommenden Jahr. Ob das junge Paar aus den Artikel wieder auf der Feiermeile anzutreffen sein wird, ist offen: Die beiden wollen stattdessen zum Feiern nach Berlin fahren.

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Quelle: HNA

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